Christoph Konrath: Christlich geht anders, weil …

„Nächstenliebe“ sei keine taugliche Grundlage für Politik höre ich oft von Menschen, die sich für eine „christlich“ geprägte Politik und Gesellschaft aussprechen. Ich stimme Ihnen durchaus zu, denn „Nächstenliebe“ und ein Verlassen auf individuelle Wohlmeinung reichen für politisches Handeln und staatliche Organisation nicht aus. Ebenso wenig reicht es aber, „christlich“ auf ein kulturelles Bekenntnis zu reduzieren.
Christlich geht anders. Es weiß um die zentrale Bedeutung, die das Scheitern und der Neuanfang in der Bibel haben. Das Scheitern politischer Ambitionen und Programme, ebenso wie das Scheitern an Macht und Eitelkeit.
Christlich geht anders. Es weiß um Gottes Fürsorge und Gerechtigkeit, und es weiß, diese auch heute zum Maßstab unseres Zusammenlebens und Wirtschaftens zu machen.
Christlich geht anders. Es weiß um die Bedeutung von Freiheit und Recht. Es erinnert sich, dass Gott den Menschen zur Freiheit gerufen hat, und dass Gott seinem Volk die Thora gegeben hat, da der Mensch nicht vom Wohlwollen anderer abhängen soll, sondern Rechte hat.
Christlich geht anders. Es weiß um Offenheit und Vielfalt, die uns Menschen und die Schöpfung ausmachen, die wir aushalten müssen, und die Zukunft möglich macht.

Christoph Konrath

Jurist und Politikwissenschaftler in der Parlamentsdirektion
www.unsereverfassung.at

Eine Antwort

  1. Elisabeth Penzias
    Elisabeth Penzias at |

    Die Beiträge hier auf der Homepage sind schon im vorigen Sommer entstanden. Da war es schon klar, dass zwar politisch dauerdiskutiert wird über “unsere” Werte, doch christliche Werte waren kaum darunter. Sind sie übersehen worden bei der krampfhaften Suche nach Werten, die wir den vielen Geflüchteten zwingend vor die Nase setzen ? Sind sie – die Nächstenliebe, die Achtsamkeit und Respekt vor der Würde alle Menschen – nicht “sexy” genug, um unser modernes Leben zu charakterisieren, nicht stark genug um Europa abzugrenzen, zu umzäunen, zu schützen vor Menschen, die nur einen einzigen Wunsch haben: zu überleben. Dafür haben sie ungeheuerliche Strapazen auf sich genommen und Todesgefahr, grenzenlose Gewalt und Niedertracht durchlitten. Und viele unter uns betrachten sie als Gefahr und rechnen ihnen vor, wie viel sie und ihre Kinder uns kosten und noch kosten werden ?
    Heute, Mitte Jänner, bekommen wir von einer zusammengewürfelten Gruppe, die uns als demokratisch gewählte Regierung zugemutet wird, täglich zu hören, was mit Geflüchteten passieren soll. Der Herr Bundeskanzler und seine Follower planen Lager ! , Anhaltezentren und Unterbringungen, die vom Staat (in aller Härte und Konsequenz) geführt werden. Geflüchtete Menschen werden als unerwünschte Eindringlinge behandelt und ja! wie im Nationalsozialismus angesprochen. Diese Zeit der größten Scham des 20. Jahrhunderts ist noch immer nicht aus dem Denken der Österreicherinnen verschwunden ! Und meilenweit von jeder christlichen Lebenshaltung entfernt. “Christlich geht anders” ist eine bitter notwendige Initiative, die ich mit Vehemenz unterstütze !

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