Erhard Busek: Christlich geht anders, weil …

Foto: Manca Juvan

Die politische Theologie des Johann Baptist Metz gibt nach wie vor wichtige Hinweise auf ein Verständnis christlichen Engagements in der Gesellschaft, von dem wir heute allerdings weit entfernt sind. Metz weist uns darauf hin, dass „Empathie“ und „Compassion“ notwendig sind, um der Aufforderung des Christlichen gerecht zu werden. Mag sein, dass diese Worte infolge ihres Bezugs auf eine klassische Sprache nicht leicht zugänglich sind, die Gedanken dahinter aber sind es! Was anders ist Empathie eigentlich als Nächstenliebe? Es ist eine Voraussetzung den Nächsten lieben zu können und nur dann möglich, wenn man sich in ihn hineinfühlt, seine Situation begreift, sie nachvollziehen kann und draus die Brücke vom Ich zum Du schlägt. Aggressiver noch ist die Compassion, nämlich die Aufforderung des Mitleidens. Ich verweigere mich immer dem Ausdruck des „Leidens“, weil es etwas eindimensional ist. Bei Mitleiden ist auch gemeint, die Frage des Mitfühlens, des Mitdenkens und vor allem auch der Aktion. Es darf nicht passiv verstanden werden, sondern ist eine aktive Tätigkeit, die zur Gestaltung der Welt beiträgt.

Das ist der eigentlich politische Inhalt des Christentums, der auch in den Apostolischen Schreiben von Papst Franziskus deutlich zum Ausdruck kommt. Es ist die Aufforderung, die aktuellen Probleme zu begreifen und sich damit auseinanderzusetzen. Ich bin mit dem Satz „Sentire cum Ecclesia – Fühlen mit der Kirche“ aufgewachsen. Mir war relativ rasch klar, dass es hier nicht um die verfasste Gemeinschaft der Christen geht, schon gar nicht um die Hierarchie, sondern schlicht und einfach ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, das wieder die Voraussetzung dafür ist, solidarische Antworten auf die soziale Frage geben zu können. Es hat Aufforderungscharakter, dem wir uns nicht entziehen können!

Dr. Erhard Busek

Vizekanzler a. D. und BM für Wissenschaft und Unterricht a. D.,
Vorstandsvorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa IDM

Eine Antwort

  1. Prof. Hubert Gaisbauer
    Prof. Hubert Gaisbauer at |

    Ich bin gerade aus Assisi zurückgekommen – dort habe ich wieder einmal kräftig geistige Nachhilfe erhalten, wie “christlich” geht:
    1. mit Empathie (= Nächstenliebe, aktive Solidarität mit Schwächeren),
    2. mit Demut (kommt bekanntlich vom Mut zum Dienen),
    3. mit Gelassenheit und Vertrauen.
    Das ist die christliche DNA.
    Rechts-populistische Politik ist nahezu die vollständige Antithese dazu: empathielos, wohlstandsegoistisch, ab- und ausgrenzend,
    Schüren von Ängsten und Ressentiments.

    Hubert Gaisbauer, freier Publizist

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