Paul M. Zulehner: Christlich geht anders, weil …

Fotocredit: Franz Reisenhofer

… aber bei „anders“ stock ich schon.

Jesus, der Christus, mutet uns zu, Licht zu sein (Mt 5,14) – also das attraktiv zu sein und zu tun, was Gott mit allen vorhat. Wenn wir anders uns und anderen anders vorkommen, dann vielleicht nur deshalb, weil wir abgehoben sind, uns nicht einmischen, halbherzig und lau sind. Leben wir wirklich aus der tiefen Verwobenheit aller? Ist Aylan Kurdi, der in der Ägäis ertrank, wirklich einer von uns? Behalten alle ihre Würde, die Friedlosen unter uns wie die wenigen Kriminellen unter den schutzsuchenden Gästen? Ist uns klar, dass wir in einem einzigen gemeinsamen Welthaus leben, das nur Bestand hat, wenn wir Ökonomie und Ökologie zusammenhalten?

Jesus mutet uns auch zu, Salz zu sein (Mt 5,13), Heilsalz für die Welt, damit diese nach Menschlichkeit und in der Ausrichtung universeller Solidarität schmeckt. Der Feind dieser Menschlichkeit ist aber Angst: die Angst, dass da zu viel auf uns zukommt, die Angst, dass wir inmitten unseres fast obszönen Reichtums zu kurz kommen. Angst aber entsolidarisiert, macht böse, macht uns zu Komplizen des Dämonischen in der Welt. Gegen unsere innere und kulturell geschürte Angst verteidigen wir uns durch Gewalt/Terror, Gier/Finanzgier und Lüge/Korruption.

Christlich heißt dann: Gott stärkt inmitten der Ängste unser Vertrauen und heilt uns vom Dämon der Angst. Dann können wir glauben, hoffen und lieben – also werden, was wir als Gottes Ebenbilder von Anfang alle sind, solidarisch Liebende. Aber eben: Nicht nur wir, sondern alle, die ein menschliches Antlitz tragen.

Prof. Paul M. Zulehner
Obmann des Pastoralen Forums
http://pastorales-forum.net/

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